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Israelische Jugendliche
in Düsseldorf:
Pilgerreise umgekehrt

 

Wer aus Glaubensgründen in die Fremde zieht, ist ein Pilger (lat.: peregrinus). Während Tausende Christen jedes Jahr nach Israel pilgern, um die Stationen des Lebens Jesu zu besichtigen, reisten im Mai sieben neuapostolische Jugendliche samt Vorsteher und Priester von Israel nach Düsseldorf, um dort Gemeinschaft mit rund 30.000 neuapostolischen Gläubigen aus aller Welt zu erleben.

75 Prozent der israelischen Bevölkerung sind Juden, 17 Prozent Muslime. Nur rund zwei Prozent der Einwohner sind Christen, und innerhalb der israelischen Christen bilden die etwa 100 neuapostolischen Gläubigen wiederum eine kleine Minderheit. Sie verteilen sich auf sieben Gemeinden. Gerade an großen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten, an denen in Deutschland die Kirchen besonders voll sind, sind die Gottesdienste in Israel weniger gut besucht. „Die Neuapostolische Kirche ist in Israel keine staatlich anerkannte Kirche“, so Bischof Jörg Vester, der die Gläubigen im Land betreut. „Das hat zur Folge, dass unsere Kirchenmitglieder gerade an Feiertagen in ihre angestammten Kirchen gehen, also zum Beispiel in die griechisch-orthodoxe oder die katholische.“

Sonntag ist normaler Wochentag

In Israel finden neuapostolische Gottesdienste je nach Gemeinde am Freitagabend, Samstag oder Sonntag statt. Der heilige Tag der Juden ist der Sabbat, der vom Sonnenuntergang am Freitagabend bis zum Sonnenuntergang am Samstag andauert. Der Sonntag ist für sie ein normaler Wochentag. Bei den Muslimen gilt das Freitagsgebet als Höhepunkt der Woche. Einen staatlich festgelegten freien Tag mit verbindlichen Schließzeiten für Geschäfte gibt es in Israel daher nicht.

„Unsere Kirchenmitglieder arbeiten bei Muslimen, Juden oder arabischen Christen und haben damit alle unterschiedliche Arbeitszeiten“, sagt Bischof Vester. Einen Termin für besondere Gottesdienste oder Jugendtreffen zu finden, ist schwer. Daher treffen die 25 Jugendlichen in Israel, das nur etwa so groß wie Hessen ist, einander so gut wie nie – das macht den Besuch des Internationalen Jugendtags (IJT) zu einem herausragenden Erlebnis für sie.

Von Israel nach Düsseldorf

Anan, Khleel, Jozef, Seham, Fade, Rebea und Sally – die sieben Jugendlichen reisten mit ihren Priestern Kamel Mozalbat und Tarek Jabour nach Düsseldorf. Sie stammen aus dem Norden Israels – eine aus Haifa und sechs aus Eilaboun und Maghar in Galiläa, rund 25 Autominuten von Nazareth entfernt. Sie berichten der spirit-Redaktion während des IJT von ihren Eindrücken und Erlebnissen:

Mit welchen Erwartungen seid ihr gekommen?

Seham: Mein Vater war schon 2014 beim Internationalen Kirchentag (IKT) in München. Er hat viel davon erzählt und ich war gespannt, die Größe und Kraft der Neuapostolischen Kirche zu erleben!

Jozef: Ich kann gar nicht glauben, dass all die Menschen hier wirklich neuapostolisch sind.

Priester Jabour: Ich war auch schon 2014 beim IKT – es hat mich in der Seele tief berührt.

Fade: Außerdem: Deutschland ist ein schönes Land. Hier zu sein, ist allein schon ein Erlebnis!

Was inspiriert euch hier, was freut euch?

Khleel: Die Atmosphäre! Sie ist großartig, ebenso wie die meisten Aktivitäten. Gestern Abend bei der IJT-Disco-Night waren Tausende Jugendliche zusammen, und alle haben friedlich getanzt. Ich hatte das Gefühl, dass hier Menschen zusammen sind, die die christlichen Werte wirklich im Alltag leben.

Priester Jabour: Inspiriert haben mich auch die Kontakte mit Gläubigen aus so vielen verschiedenen Ländern. Als wir in der Düsseldorfer Altstadt Menschen mit dem IJT-Armband begegneten, kamen wir gleich nett ins Gespräch. Sie kamen aus Berlin, aus Australien ...

Priester Mozalbat: Und natürlich freuen wir uns über die Gottesdienste in der großen Gemeinschaft und die gemeinsamen Gebete!

Priester Jabour: Alle hier haben denselben Glauben, dieselbe Liebe, durch Jesus sind wir alle eins, egal, wo auf der Welt wir leben. Wir haben alle das gleiche Ziel. Wir sind alle vereint in der Liebe Gottes.

Priester Mozalbat: Ich freue mich sehr auf den Gottesdienst mit dem Stammapostel am Sonntag. Ihn live zu sehen, ist ein großes Highlight.

Fade: Viele haben hier in der Gruppe vor dem Essen gebetet. Das war eine neue Erfahrung für mich.

Es gibt Hummus auf dem IJT – das Kichererbsen-Pürree ist ein israelisches Nationalgericht. Mal ehrlich: Wie findet ihr es?

Anan: Ganz okay.

Khleel: Aber nicht so gut wie in Israel!

Text entnommen aus: "Spirit - das junge Magazin für neuapostolische Christen", Ausgabe Nr. 04|19, S. 31 © Verlag Friedrich Bischoff GmbH, Neu-Isenburg

13. Januar 2020
Text: Anja Nettke-Nicolaus

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